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10 Jahre Musikfonds

Konzerte, Talks, Installationen, Video

Über 6.200 bewilligte Projekte und Stipendien, mehr als 62 Millionen Euro Fördermittel und zehn Jahre Engagement für die freie experimentelle Musik: Der Musikfonds e.V. feiert am 13. Oktober 2026 sein zehnjähriges Bestehen mit einer Jubiläumsveranstaltung in der Betonhalle des silent green Kulturquartiers in Berlin.

Wie die anderen fünf Bundeskulturfonds ist der Musikfonds eine unabhängige, zivilgesellschaftliche und basisdemokratische Organisation. Seit 2016 wird aktuelle, avantgardistische Musik in ihrer ganzen stilistischen Vielfalt und im gesamten Bundesgebiet gefördert. Der Musikfonds hat sich in diesen zehn Jahren zu einem der wich­tigsten Partner der freien Szene ak­tueller Musik entwickelt. 

Programm

Die improvisierten Solosets von Mariá Portugal haben eine Dringlichkeit, die sich mit ihrem dicht verwobenen Schlagzeugspiel und ihrem lyrischen Gesang allein nicht erklären lässt. Die Musik der studierten Komponistin erforscht Räume zwischen Liedtraditionen und freier Improvisation. Nur mit Stimme und Perkussion lädt Portugal ihre Hörerschaft ein, mit ihr in diese Zwischenwelt einzutauchen. In der Großen Projektförderung des Musikfonds hat Mariá Portugal dieses Jahr das Kuratorium mit der Konzeption einer Konzertreihe überzeugt, die in Deutschland lebende Musiker:innen aus Lateinamerika vorstellt und ein breites Spektrum von „risikofreudiger“ Musik präsentiert. Die Große Projektförderung ist das Kerngeschäft des Musikfonds, in der innovative Projekte im Bereich avantgardistischer, aktueller Musik ohne thematische Vorgaben eingereicht werden können.

Das Ensemble für zeitgenössische Musik Broken Frames Syndicate hat gemeinsam mit dem Künstler Paul Pape klingende Skulpturen aus Kunststoff entwickelt. Die Musiker*innen nutzen ihr selbstgebautes Instrumentarium als Werkzeug in einem Labor für experimentelle Klänge und interdisziplinäre Kollaboration. Ihr Projekt RIFF verschmilzt Skulptur und Klang zu lebendigen Gebilden voller Bewegung und überraschender Sounds. Broken Frames Syndicate ist eins der 18 Ensembles, die der Musikfonds mit einer zweijährigen Ensembleförderung (FEB-4) unterstützt - eine Pilotförderschiene mit einer Mischung aus Struktur- und Projektförderung. Der Bedarf an einer nachhaltigen und gezielten Ensembleförderung ist ungebrochen hoch. Dennoch läuft die bestehende Förderung aufgrund fehlender Mittel aus und verschärft damit eine bereits bestehende Förderlücke.

Crutches aus Leipzig und Berlin kippen nahtlos von Primitivismus in die Virtuosität und wieder zurück. Diese Band ist ein Malstrom aus Humor, Brutalität, unzählbaren Taktarten und unendlich vielen Zitaten. Ihre hochkomplexen Arrangements, vorgetragen mit punkiger Nonchalance, sind verwirrend und überwältigend und wunderbar. Und das alles zugleich. Mit Mitteln aus der Kleinen Projektförderung realisieren Crutches dieses Jahr drei Konzerte in Sachsen und Thüringen. In der Kleinen Förderung werden Projekte im ländlichen und strukturschwachen Raum in den Blick genommen. Kurze Antragsfristen und schnelle Bewilligungszeiträume machen eine flexible und praxisnahe Förderung möglich.

Im Aufgang der Betonhalle erleben wir eine Klang-Intervention des Kollektivs Dynamische Akustische Forschung (DAF). DAF arbeitet an nomadischen Sound-Settings im Stadtraum und performativen Situationen, in denen Hören, Raum und soziale Beziehungen gemeinsam erprobt werden. Im Frühling 2026 wurde die erste Runde der neuen Förderschiene Outer Ear ausgeschrieben, die Begegnungen und Dialoge über die bekannten Netzwerke der Szenen hinaus anregen soll. DAF setzt im Rahmen von Outer Ear die Idee einer mobilen Konzert- und Workshopreihe im ländlichen Raum in Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen und Akteuren um. Eine zweite Ausschreibung von Outer Ear läuft im Oktober 2026, ab 2027 fehlen für dieses Programm leider die Mittel.

Das Musiktheaterstück ETERNAL DAWN des Komponisten Alexander Schubert ist als Videomitschnitt im Kinosaal des Silent Green zu erleben. Schubert hat das Stück zusammen mit dem Decoder Ensemble und einem interdisziplinären Team aus Kunst und Wissenschaft entwickelt. ETERNAL DAWN befasst sich mit dem ambivalenten Thema Transhumanismus. In einem futuristischen Setting agieren die Performer mithilfe technischer Körpererweiterungen, Biomodifikationen und Sensoren als Gruppe individueller Cyborgs. Alexander Schubert war einer der zehn Stipendiat:innen des Stipendienprogrammes zu Künstlicher Intelligenz (STIP-4) in der ersten Kohorte im Jahr 2025. Mit diesem einjährigen Stipendium werden Vorhaben gefördert, die sich mit den Risiken und Chancen von KI im Musikschaffen kritisch auseinandersetzen. Das Programm wurde 2026 zum dritten Mal ausgeschrieben.

Dafne Narvaez Berlfein arbeitet als Film- und Videokünstlerin und Forscherin. Ihre Praxis konzentriert sich auf kollaborative interdisziplinäre Prozesse, insbesondere in den Bereichen Musik und Performance, mit dem Ziel, dezentrierte Repräsentationsweisen zu erzeugen. Seit 2015 kuratiert sie die Reihe Sentimental Punk, die sich mit Experimentalfilmen und Live Improvisation beschäftigt und die dieses Jahr erneut durch die Große Projektförderung de Musikfonds unterstützt wird. Im Auftrag des Musikfonds hat Dafne Narvaez Berlfein eine audiovisuelle Arbeit aus Dokumentationsmaterial von geförderten Projekten der vergangenen zehn Jahre erstellt.

Leslie García, alias Microhm [μΩ], bewegt sich an den Schnittstellen von experimentellem Sounddesign, Rhythmen der lateinamerikanischen Diaspora und der Intensität zeitgenössischer Clubmusik. Ihre künstlerische Praxis bewegt sich fließend zwischen Musikproduktion, Live-Performance und algorithmischem Experimentieren. Dabei entstehen dichte Klanglandschaften, geprägt von bearbeiteten Geräuschen, minimalistischen Texturen und komplexen rhythmischen Strukturen. 2026 wurde sie im Rahmen des Stipendienprogrammes zu Künstlicher Intelligenz (STIP-6) des Musikfonds für ihre Arbeit als elektronische Klangkünstlerin und Entwicklerin digitaler Medien ausgezeichnet.

 

Eintritt frei (Registrierung notwendig)

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